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Im Einsatz für Forschung und Lehre. Kompetenzen des Fachpersonals der NTNU Universitätsbibliothek in Trondheim

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Abstrakt

Umfassende Änderungen in unserer Gesellschaft und eine explosive Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie sind Ursachen dafür, dass sich Forschungs- und Lehrprozesse in den vergangenen Jahren massiv verändert haben. Diese Änderungen haben die Entwicklung neuer Bibliotheks- und Informationsdienstleistungen zur Unterstützung von Forschung und Lehre nach sich gezogen, und diese wiederum erfordern neue Kenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten der Angestellten in Bibliotheken und Informationseinrichtungen.

Am Beispiel der Universitätsbibliothek der NTNU (Norwegens Technisch-Naturwissenschaftlicher Universität) wird diskutiert, welche Kompetenzen das Fachpersonal einer wissenschaftlichen Bibliothek benötigt.

Abstract

Extensive changes in our society and an explosive development in information and communication technologies are some reasons for the massive transformation of research and educational processes during the last years. These changes have stimulated the development of new library and information services to support research and education/teaching. This in turn requires new knowledge and skills from library staff and information professionals. Using the example of the University Library of NTNU (Norwegian University of Science and Technology) the skills now needed by the staff of an academic library are discussed.

Im Einsatz für Forschung und Lehre.

Kompetenzen des Fachpersonals der NTNU Universitätsbibliothek in Trondheim Almuth Gastinger

1. Einleitung

Es ist mittlerweile ein Klischee zu sagen, dass die digitale Revolution das Informationswesen geändert hat, nichtsdestotrotz entspricht es der Wahrheit. (Ross & Sennyey, 2008) Dementsprechend stehen Bibliotheken vor gewaltigen Herausforderungen.

Wie wir alle wissen, hat sich in den letzten Jahren die Art und Weise von Forschung in fast allen Wissenschaftsgebieten geändert, vor allem wegen der immer größer werdenden Menge an neuen Forschungsdaten. Insbesondere Wissenserzeugung, wissenschaftliche Kommunikation und Zusammenarbeit sowie die Art des Publizierens wurden und werden von den enormen technologischen Entwicklungen beeinflusst. Das bedeutet, dass sich die Anforderungen und Arbeitsweisen der Wissenschaftler ebenso geändert haben. Forschungs- und Lehrpersonal arbeitet heute in stärkerem Maße interdisziplinär und in Teams, es muss sich mit einem Überfluss und Daten und Publikationen sowie einer Vielzahl an Suchwerkzeugen auseinandersetzen, und die wissenschaftliche Kommunikation findet vor allem in virtuellen, netzbasierten Umgebungen statt. Es gibt neue Formen und Kanäle für die Verbreitung von Forschungsresultaten, ein kompliziertes Urheberrecht und eine andere Art der Nutzung und Wiederverwendung von Forschungsergebnissen anderer. (Gastinger, 2012)

Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen sind eine große Herausforderung für Bibliotheken, da die schon vorhandenen Dienstleistungen ständig hinterfragt werden müssen, und außerdem neue Services zu entwickeln sind, die den geänderten Anforderungen der Wissenschaftler gerecht werden. In gleichem Maße müssen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen und Kompetenzen des Personals Schritt halten.

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Content Management bedeutet u.a., dass Informationsbedürfnisse in Form von Beratung und Medienvermittlung befriedigt werden. Die Qualität von Informationsressourcen und Beratungsgesprächen ist dabei insbesondere von der Zusammenarbeit zwischen den Angestellten in Bibliotheken und Informationseinrichtungen und den Akteuren im Wissenschaftsbetrieb abhängig. Voraussetzung dafür sind vor allem fachwissenschaftliche Kenntnisse und Kenntnisse über Inhalt und Erschließung der bereitgestellten Medien.

Am Beispiel der Universitätsbibliothek der NTNU wird diskutiert, welche Kompetenzen das Fachpersonal einer wissenschaftlichen Bibliothek benötigt, um Forschung und Lehre wirksam zu unterstützen.

2. Norwegens Technisch-Naturwissenschaftliche Universität und ihre Bibliothek Die NTNU, wie wir sie heute kennen, wurde 1996 gegründet und war ein Zusammenschluss mehrerer Universitäten und Hochschulen in Trondheim. An der Universität sind ca. 22.000 Studierende eingeschrieben. Es werden alle Studienrichtungen angeboten, außer Jura und Veterinärmedizin, wobei Technik- und Naturwissenschaften die Hauptsäulen der Forschung und Ausbildung bilden. Es gibt 52 Institute an sieben Fakultäten, und 3100 Angestellte arbeiten in Lehre und Forschung.

Die NTNU Universitätsbibliothek (NTNU UB) hat ihre Wurzeln in der 1768 gegründeten Bibliothek für die Königliche Norwegische Wissenschaftsgesellschaft. Auf dem Campus der heutigen Universität entstand die erste Bibliothek jedoch nicht vor 1912. Die Universitätsbibliothek besteht heute aus elf Teilbibliotheken, die vier verschiedenen Sektionen zugeordnet sind. Außerdem gibt es den sogenannten „Stab“ und eine „Sektion für gemeinsame Dienste“. Alle Sektionen sind der Bibliotheksdirektorin direkt untergeordnet. Die NTNU UB hat 125 Mitarbeiter, und 28 davon arbeiten als Fachreferenten. Wobei nur ungefähr die Hälfte von ihnen als „Vollzeit-Fachreferenten“ beschäftigt ist. Die Universitätsbibliothek hat einen Bestand von 2,1 Mill. Printmedien, 275 Datenbanken, 12.200 elektronischen Zeitschriften und 500.000 e- books. Sie verwaltet auch 32.600 Karten, 19.500 Manuskripte, 29.600 Notenhefte/Musikalien und rund 400.000 Fotografien bzw. Negative.

3. Anforderungen an wissenschaftliche Bibliotheken - Dienstleistungen zur Unterstützung von Forschung und Lehre

Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen erfordern von wissenschaftlichen Bibliotheken, regelmäßig – in Übereinstimmung mit den Strategien der Mutterorganisation – ihre Schwerpunktaufgaben zu überdenken, ihre Kernkompetenzen identifizieren und auf dieser Grundlage aufbauend die entsprechenden Dienstleistungen zu entwickeln. (Law, 2009)

Bei der Entscheidung, welche Services eine wissenschaftliche Bibliothek zur Unterstützung von Lehre und Forschung anbieten sollte, spielen neue Technologien eine maßgebende Rolle.

Insbesondere die zunehmende Ausbreitung mobiler Geräte, die Dominanz sozialer Medien, das wachsende Angebot an e-books und cloud computing sowie deren stärkere Nutzung bieten dabei eine Vielzahl von Möglichkeiten. (Chan, 2012) Es wurde schon angedeutet, dass die stetig steigenden Anforderungen an wettbewerbsfähige Forschungsumgebungen (competitive research environments) eine stärkere Zusammenarbeit - interdisziplinär und über institutionelle und nationale Grenzen hinaus – erfordern, und dass sie immer größere Mengen an Daten als je zuvor generieren. (RLUK, 2012) Ebenso wissen wir aus eigener Erfahrung und aus der Literatur, dass Wissenschaftler keine homogene Gruppe sind. Vor allem in den verschiedenen Fachgebieten gibt es Unterschiede in Bezug auf Forschungsmethodik, Informationsbedarf, Denkansätze, Verhaltensweisen und die Art von Forschungsaktivitäten. Signifikante

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Unterschiede bestehen außerdem bei der Publikation von Forschungsergebnissen, d.h. je nach Fachdisziplin wird in unterschiedlichen Formaten und Kanälen veröffentlicht.

Diese Rahmenbedingungen bilden den Ausgangspunkt für die Entscheidung, welche Dienstleistungen die jeweilige Bibliothek anbieten und entwickeln muss.

Eine Studie des Research Information Network (RIN) hat Dienstleistungen untersucht, von denen Wissenschaftler verschiedener Universitäten im Verlauf ihrer Forschungen Gebrauch machen.

(RIN, 2010) Dazu gehören Tools und Services zur:

 Dokumentenverwaltung und Verwaltung von Forschungsdaten

 Analyse von großen Mengen an Text und Daten

 Erlangung von Informationskompetenz

 Verwaltung von preprints, Publikationen und postprints

 Zitationsanalyse.

Es wurden aber auch Dienstleistungen wie die Unterstützung beim Publikationsprozess (z.B.

Entscheidungshilfen bei der Wahl der geeignetsten Publikationskanäle), die Beratung zum Thema Urheberrecht und die Hilfe bei der Identifizierung von Finanzierungsmöglichkeiten sowie potentiellen Kooperationspartnern untersucht. Nicht alle dieser Dienstleistungen wurden/werden in allen an der Studie teilgenommenen Universitäten/Bibliotheken angeboten, und ebenso wenig werden alle Services von den Wissenschaftlern als wichtig angesehen.

Mehrere Schlussfolgerungen lassen sich aber sowohl aus dieser als auch aus anderen Studien ziehen: Wissenschaftler wollen Dienstleistungen, die ihren Anforderungen gerecht werden, die in ihre tägliche Arbeit integriert sind (d.h. in die Systeme, die sie sowieso benutzen), und die zugänglich sind, wenn man sie braucht („at the point of need“). Ebenso wollen die meisten Wissenschaftler fachspezifische Services. Studien, die vor vier-fünf Jahren an der NTNU durchgeführt wurden, kamen zu den gleichen Erkenntnissen.

Denn der Druck auf das Forschungspersonal, vor allem beim Publizieren von Forschungsergebnissen, wächst stetig. Das bedeutet, dass viele Wissenschaftler keine Zeit dafür aufwenden wollen oder können, sich in neue Systeme oder Dienstleistungen einzuarbeiten.

Dienstleistungen einer Bibliothek müssen deshalb einfach und intuitiv anwendbar und genau auf die Bedürfnisse des Forschungs- und Lehrpersonals zugeschnitten sein.

In Bezug auf den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur sagt die RIN-Studie folgendes: „The challenges for universities is to ensure that their researchers have easy access and are alerted to the many different kinds of information resources they need which are relevant to their work, and the skills to use those resources effectively.“ (RIN, 2010)

Die NTNU UB hat im Herbst 2012 ein neues Strategiedokument und einen neuen Aktivitätsplan erarbeitet, in denen sie sich mit den neuen Rahmenbedingungen und geänderten Anforderungen des Forschungs- und Lehrpersonals auseinandergesetzt hat. Oberstes strategisches Ziel ist nach wie vor die Unterstützung von Forschung und Lehre (Bereitstellung von Informationsressourcen und entsprechender Dienstleistungen, Umgestaltung der Bibliothek als Lernort, Digitalisierung und Bewahrung historischer Sammlungen usw.), was prinzipiell nichts Neues ist. Bei der Entscheidung, welche Aktivitäten zur Erreichung der Ziele notwendig sind, wurde dann jedoch auf die jetzigen Rahmenbedingungen konkret Bezug genommen. Eine der wichtigsten Aktivitäten ist die Einführung eines Ressource Discovery Systems als Ausgangspunkt für die Suche nach wissenschaftlicher Fachinformation. Anfang 2013 hat die NTNU UB sich für den Service von EBSCO entschieden, der momentan getestet und im Juni für alle Nutzer zugänglich gemacht wird. Eine Auswahl weiterer geplanter Aktivitäten sind: die Beratung von Wissenschaftlern bei bibliometrischen Analysen, der Aufbau eines Systems zur Unterstützung von Publikationsprozessen, die Erarbeitung einer neuen Erwerbungspolitik sowie des Angebots eines „Kundenservices“ in allen Fachgebieten (Fachreferenten mit Arbeitsplatz/Sprechzeiten in den Instituten) und die Bewertung vorhandener bzw. die Entwicklung neuer Dienstleistungen zur Forschungsunterstützung. Letzteres schließt die

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Planung von drei Pilotprojekten ein, die die direkte Mitarbeit von Fachreferenten in Forschungsprojekten testen soll. Nicht zuletzt beinhaltet der Aktivitätsplan die Entwicklung eines Weiterbildungsplans, um heute und zukünftig notwendige Kompetenzen zu gewährleisten.

Zumindest auf der gedanklichen Ebene ist die NTNU UB einer Meinung mit Werner Tannhof:

„Angesichts der Übermacht der e-Informationsangebote im Netz werden sich wissenschaftliche Bibliotheken letztlich von Geschäftsfeldern und Traditionen zwangsläufig verabschieden und neue Angebote entwickeln müssen. „Ownership“ und das Prinzip der Vorratshaltung der Printmedien („just in case“) müssen zugunsten der Bereitstellung von Zugängen („access“) in welcher medialen Form auch immer aufgegeben werden, aber nur, wenn wirklich Bedarfe zu befriedigen sind („just in need“)“. (Tannhof, 2013)

Die NTNU UB muss sich vor allem bei der praktischen Umsetzung ihrer Ideen und Pläne noch vielen Herausforderungen stellen. Das bezieht sich insbesondere auf mangelnde Kompetenzen zu neuen Technologien. Aktivitäten wie die Arbeit mit unserem Institutionellen Archiv, dem neuen Discovery System oder einem neuen Internetauftritt der Bibliothek sind nur einige Beispiele dafür, wie der Mangel an umfassenden Kenntnissen neuer Informationstechnologien qualitativ hochwertige Ergebnisse verhindert. Ebenso wurden einige wichtige Themen wie das Forschungsdatenmanagement bisher leider nicht betrachtet. Trotzdem ist die NTNU UB auf dem Weg in die richtige Richtung.

4. Anforderungen an Kompetenzen und Qualifikationen in wissenschaftlichen Bibliotheken

Um eine exzellente Unterstützung von Forschung und Lehre gewährleisten zu können, bedarf es nicht nur Dienstleistungen, die den Bedürfnissen der Wissenschaftler gerecht werden, sondern auch entsprechender Qualifikationen und Kompetenzen des Bibliothekspersonals. Kompetenz wird je nach Kontext unterschiedlich definiert. Die heute in Deutschland meistzitierte Variante wurde von F.E. Weinert formuliert. Danach sind Kompetenzen „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“. (Weinert, 2001) Die Terminologie zu Qualifikationen ist ebenso vielfältig. Alex (1991) beschreibt Qualifikation als „das personenbezogene Arbeitsvermögen, das sich aus Fach- und Sozialkompetenz zusammensetzt“. D.h., der Begriff drückt eine konkrete Befähigung bzw.

Eignung aus, eine Tätigkeit auf einem bestimmten Niveau ausführen zu können. Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse sind in der Praxis die gebräuchlichsten Indikatoren für eine Qualifikation. (Alex, 1991) In der norwegischen Literatur unterscheidet man oft zwischen formellen Kompetenzen (dokumentierte Qualifikationen) und Realkompetenz (das faktische Wissen und die tatsächlichen Fertigkeiten einer Person), was meiner Auffassung von den Begriffen Qualifikation und Kompetenz entspricht.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien zu erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen für die wissenschaftliche Bibliothek der Zukunft durchgeführt. Eine der umfangreichsten Studien mit dem Titel „Re-skilling for Research“ wurde von RLUK (Research Libraries UK) in Auftrag gegeben (RLUK, 2012), mit dem Ziel zu untersuchen, welche Kompetenzen (skills) wissenschaftliche Bibliothekare bzw. Fachreferenten besitzen müssen, um den geänderten Anforderungen bzw. Bedürfnissen des Forschungs- und Lehrpersonals gerecht zu werden und die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit optimal unterstützen zu können.

Ein Ergebnis der Studie ist eine Liste von 32 Kompetenzen, die als besonders wichtig in Bezug auf die Unterstützung von Forschung und Lehre angesehen werden. Dabei erfolgte eine Eingruppierung der Kompetenzen in verschiedene Kategorien: Wissenschaftsdisziplin, Forschungsprozess, Partnerschaften/Kooperationen, Informationssuche, Forschungsdaten,

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Informationskompetenz, wissenschaftliche Kommunikation bzw. wissenschaftliches Publizieren, Metadaten, Technologie, Forschungsbewertung und Copyright. Von den 32 in der Studie aufgelisteten Kompetenzen halte ich folgende 20 für die wichtigsten:

 Tiefgehendes Verständnis des entsprechenden Fachgebietes

 Exzellente Kenntnisse der vorhandenen Informationsressourcen für das Fachgebiet

 Verständnis der Arbeitsabläufe eines Wissenschaftlers und der Vorgehensweise bei der Informationssuche

 Wissen über Stipendien und andere Möglichkeiten der Forschungsfinanzierung

 Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und Kooperationen einzugehen

 Fähigkeit, effektiv in einem Forschungsprojekt mitzuarbeiten

 Marketingkompetenzen

 Hervorragende Fähigkeiten in Bezug auf Informations- bzw. Literatursuche

 Wissen über Werkzeuge zur Literaturverwaltung

 Fähigkeit zur Beratung in Bezug auf Informationsmanagement, Datenverwaltung und Datensuche (data mining)

 Kenntnisse über Zitierregeln und –standards

 Wissen über Quellen von Forschungsdaten im entsprechenden Fachgebiet

 Exzellente pädagogische Fähigkeiten (Design und Durchführung von Schulungen)

 Tiefergehendes Wissen über wissenschaftliches Kommunizieren und Publizieren, einschließlich Open Access

 Verständnis der nationalen Anforderungen an Prozesse der Forschungsbewertung

 Kenntnisse zu Impactfaktoren, Zitieranalysen und Bibliometrie

 Kenntnisse über Autorenrechte, Urheberrechte und Verlagsrechte sowie Urheberrechtsverletzungen (Plagiate)

 Kenntnisse über die Nutzung von Metadaten

 Kompetenzen zur Anwendung von neuen Technologien und sozialen Netzwerken

Dazu kommen noch Kernkompetenzen wie kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und ausgeprägte soziale Kompetenzen.

Eine ähnliche Studie wurde in Dänemark durchgeführt (BF, 2013), mit vergleichbaren Ergebnissen. Sowohl frühere als auch heutige Studien von Ausschreibungstexten (Parry, 2008) und (Choi & Rasmussen, 2009) haben ergeben, dass neben hervorragenden Kommunikationsfähigkeiten vor allem exzellente IT-Fähigkeiten erforderlich sind, um die Aufgaben einer wissenschaftlichen Bibliothek erfüllen zu können. Eigene stichprobenartige Analysen von mehreren Ausschreibungstexten, die momentan an deutschen und norwegischen Universitätsbibliotheken veröffentlicht sind, ergaben folgende Anforderungen an die zukünftigen Mitarbeiter:

 Ausgeprägte Dienstleistungsorientierung und kundenorientiertes Aufgabenverständnis

 Organisationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Durchsetzungsvermögen

 Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten und Entscheidungsfähigkeit

 Zielgerichteter und ergebnisorientierter Arbeits- und Führungsstil

 Verhandlungsgeschick und ausgeprägtes wirtschaftliches Denken

 Erfahrungen im Projektmanagement und Controlling

 Soziale Kompetenz und Integrationsfähigkeit

 Kommunikative Kompetenz in Wort und Schrift

 Sicheres Beherrschen von Präsentationstechniken

 Kreativität, Belastbarkeit und hohe Leistungsbereitschaft

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Bei dieser Fülle an notwendigen Kompetenzen versteht es sich von selbst, dass es unrealistisch ist, von jedem einzelnen Fachreferenten zu erwarten bzw. zu fordern, alle Kompetenzen zu besitzen oder zu erwerben.

Welche Kompetenzen notwendig sind und auf welchem Niveau, wird von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich sein, und natürlich davon abhängen, welche Dienstleistungen man anbietet und wie stark sich die Bibliothek bei der Unterstützung von Forschung und Lehre einbringt.

5. Aufgaben und Kompetenzen des Fachpersonals der NTNU UB

Als Fachpersonal unserer Bibliothek bezeichne ich nicht nur die Fachreferenten und Bibliothekare, sondern auch das Personal mit betriebswirtschaftlichen Aufgaben und das Leitungspersonal. Eine Berufsgruppe allein kann heute nicht alle notwendigen Kompetenzen aufbringen, so dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mitarbeitergruppen unumgänglich ist, um Forschung und Lehre in bestem Maße zu unterstützen. Trotzdem werde ich mich im Folgenden auf die Gruppe der Fachreferenten konzentrieren.

5.1 Aufgaben der Fachreferenten

Es ist allgemein bekannt, dass sich die Aufgaben, die Fachreferenten heute bewältigen müssen, von denen vor 10 oder 20 Jahren unterscheiden. An der NTNU UB werden nach wie vor traditionelle Aufgaben wie Auswahl der zu erwerbenden Literatur, Sacherschließung, Bestandspflege, Ausleihdienst, Aufträge zur Informationssuche und Durchführung von Schulungen (Vermittlung von Informationskompetenz) von den Fachreferenten erledigt, wobei Menge und Zeitaufwand für die meisten dieser Aufgaben beträchtlich abgenommen haben.

Gleichzeitig sind zahlreiche neue Aufgaben hinzugekommen bzw. werden dazukommen. Dazu gehören interne Projektarbeit, statistische Nutzungsanalysen, Budgetverantwortung, Marketing, Schulungen zu Literaturverwaltungsprogrammen, Beratungen zu Datenverwaltung, Open Access, Urheberrechten und Plagiaten, Entwicklung und Bereitstellung von Publikationsdiensten und anderen Diensten zur Unterstützung von Forschung und Lehre wie z.B. bibliometrische Analysen und Discovery Services, oder die Einstellung von Informationen in soziale Netzwerke.

Einige Fachreferenten haben eine Leitungsposition inne, während andere an Forschungsprojekten beteiligt sind oder an eigenen Publikationen arbeiten. Hinzu kommt die große Herausforderung, ständig neue Technologien und Methoden erlernen und anwenden zu müssen, denn mehr oder weniger alle neuen Aufgabenfelder sind mit neuen Technologien verknüpft.

5.2 Kompetenzen der Fachreferenten

Wie schon erwähnt, arbeiten 28 Kollegen der NTNU UB als Fachreferenten, wobei einige von ihnen nur kleinere Fachgebiete betreuen, wie z.B. Kinder- und Jugendpsychiatrie, und/oder zusätzlich andere Rollen an der Bibliothek innehaben. Neun Kollegen wurden ursprünglich als Bibliothekare eingestellt, mussten aber später Fachreferentenaufgaben übernehmen, da frei gewordene Fachreferentenstellen aus verschiedenen Gründen nicht mit entsprechend ausgebildetem Personal besetzt werden konnten. Die Fachreferenten bedienen also sehr unterschiedliche Fachgebiete, sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch auf die Art der Fächer.

Ähnliche Unterschiede betreffen ihre formelle Ausbildung und ihre im Laufe der Zeit erworbenen Kompetenzen, was viele Herausforderungen mit sich bringt, die später eingehend diskutiert werden.

Tabelle 1 zeigt an der NTNU zu betreuende Fachgebiete, die formale Ausbildung der zuständigen Fachreferenten, deren im Laufe der Arbeit an der UB gewonnenen Kompetenzen sowie das Jahr der Anstellung und des Beginns der Fachreferententätigkeit. Fachreferenten

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unserer Bibliothek, die keine Bibliotheksausbildung haben, müssen ein vorgeschriebenes bibliothekfachliches Programm durchlaufen. Dieses Programm beinhaltet eine Art Fernstudium an der Hochschule in Oslo und Akershus (Belegen von Fächern wie „Klassifikation und Indexierung“, „Jura und Bibliothek“ und „Literatursuche“ ), das Fach „Digitale Bibliothek“ an der NTNU, diverse Kolloquien, die von Mitarbeitern unsere Bibliothek gehalten werden (u.a. zu den Themen Bibliotheksstatistik, internationale Bibliotheksorganisationen, Erwerbungsstrategien und -methoden, Nutzerbefragungen, Gesetze zum Urheberrecht, Open Access und wissenschaftliches Publizieren) und das Durchlaufen der verschiedenen Abteilungen und Sektionen unserer Bibliothek.

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Fachgebiet(e) Formelle Ausbildung

Weiterbildung, Kurse u.ä.

Kompetenzen am Arbeitsplatz

angeeignet

Seit wann an NTNU UB

Seit wann Fach- referent Informatik,

Mathematik, Informations- wissenschaft

Dr.-Ing.

(Informatik)

LIS, Norwegisch, IKT, Bibliotheksmanagem ent,

Projektmanagement, Coaching

Internationale Zusammenarbeit;

Digitale Bibliothek;

Arbeit als Mentor;

Informationskompetenz;

Konferenzorganisation;

Metadaten; Projektarbeit

2000 2000

Elektrotechnik, Elektronik, Kybernetik, Kommunika- tionstechnolog ie

Master (Elektronik und Fotonik)

LIS Linked Open Data;

Bibliometrie; Web Design; Metadaten;

Literaturverwaltungssyst eme;

Konferenzorganisation;

CRIS; Projektarbeit

2006 2006

Kinder- und Jugend-

psychiatrie

Bachelor LIS

Keine Angaben Fachkompetenz in

Kinder- und

Jugendpsychiatrie

1995 2002

Produktdesign Bachelor LIS,

Jahresstudi um

Englisch/

Geschichte

Kulturgeschichte, Design, Management öffentlicher

Institutionen

Fachkompetenz in Architektur, Design, Ästhetik und Bauwesen;

EndNote

1994 2005

Medizin, Gesundheits- fürsorge

Master (Biologie)

LIS, Pädagogik, Toxikologie, Hygiene, Metadaten,

Evidenzbasierte Praxis

Forschungskompetenz

durch eigene

Publikationen;

Bibliometrie;

Medizinische Informatik;

1993 1993

Literaturwisse nschaft, Englisch, Romanische Sprachen, Linguistik

PhD

(Französisc he Literatur)

Universitätspädagogi k, Italienisch, LIS

EndNote 2012 2012

Chemie, Physik

Dipl.-Ing.

(Chemie)

Universitätspädagogi k, LIS, Patentwesen, Management

Management; End Note;

Projektarbeit

1983 1987

Architektur Dipl-Ing.

(Architektur)

LIS, Windows,

EXCEL,

Projektmanagement, Bibliotheksmanagem ent, Coaching, Zeichensprache

Wikipedia; Marketing;

Vortragstätigkeit; Web Design; Bibliometrie;

Projektarbeit

1987 1989

Marine Technologie

Bachelor LIS

Geologie, Geophysik, Pädagogik, Englisch

Marine Technologie;

Marketing;

1996 2006

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Industrielle Ökonomie, Maschinenbau

Dipl.-Ing.

(Elektronik) LIS,

Bibliotheksmanagem ent, Pädagogik

Digitale Bibliothek;

Management;

Organisationstheorie

1976 1980/

2008 Spezialsamm-

lungen, alte

historische Sammlungen

Master (Geschichte ),

Konservator

LIS, Management, Pädagogik,

Archivarbeit, Gotische Sprache

Management; IKT;

Geschichte; Archive und Museen; Projektarbeit

2004 2005

Petroleums- und

Materialtechno logie, Energie und Umwelt

Master (Biotechnolo gie)

LIS, Englisch, Präsentationstechnik, Projektarbeit

Digitale Bibliothek;

Literaturverwaltungssyst eme; Schlagwortregister

1997 1999

Tabelle 1: Beispiele für Fachreferenten der NTNU UB mit Qualifikationsgrad und Fachgebiet Hier wird sehr deutlich, welche großen Unterschiede insbesondere in Bezug auf Qualifikationen und Kompetenzen bestehen.

Diese Abweichungen zwischen reellen und notwendig erscheinenden Kompetenzen werfen zahlreiche Fragen auf: Welche Kompetenzen sind an der NTNU UB nötig, um ihre strategischen Ziele zu erreichen? Welche sind die wichtigsten Kompetenzen, d.h. welche sollten als erstes entwickelt werden bzw. auf welche sollte man bei Neueinstellungen am meisten Wert legen? Wie können Kompetenzen erworben werden? Welche Konsequenzen hat der Mangel an bestimmten Kompetenzen, insbesondere auf organisatorische Strukturen?

Diese Problemstellungen sollen nachfolgend diskutiert werden.

5.3 Diskussion notwendiger Kompetenzen der Fachreferenten

Eine Diskussion zu Kompetenzentwicklung sollte damit beginnen, in der Organisation vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten zu identifizieren sowie fehlende Kompetenzen zu benennen. Insbesondere Leitbilder, Strategiedokumente und Aktionspläne weisen darauf hin, welches Personal benötigt wird und welche Kompetenzen entwickelt werden sollten. (Olander, 2010)

An der NTNU UB haben sich seit 2008 verschiedene Arbeitsgruppen mit diesem Thema beschäftigt. 2010 wurde ein Bericht vorgelegt, in dem erörtert wurde, welche Kompetenzen insbesondere Fachreferenten innehaben sollten, und wie man diese erwerben kann. (Gastinger et al., 2010) Als notwendige Kompetenzen wurden folgende angesehen:

 Betriebswirtschafliche Kompetenz (Wissen zu Marketing, Ökonomie, Statistik, Nutzerstudien)

 Vermittlungskompetenz (pädagogische und rhetorische Fähigkeiten, IKT/Webtechnologien, Präsentationstechnik)

 Fachkompetenz (Tiefgehendes Verständnis des Fachgebietes, Kenntnisse der entsprechenden Informationsressourcen und der wissenschaftlichen Arbeitsabläufe)

 Bibliothekarische Kompetenz (Informationskompetenz, Kenntnisse über Metadaten, Sacherschließung und Publikationsprozesse)

 Juristische Kompetenz (Wissen zum Urheberrecht, Datenschutz)

 Persönliche Kompetenzen (kommunikative und innovative Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, ausgeprägte soziale Kompetenzen)

Wie die obige Tabelle zeigt, besteht eine große Diskrepanz zwischen den reellen und gewünschten Kompetenzen bzw. Qualifikationen. Der vorgelegte Bericht schlug vor, fehlende Kompetenzen nicht nur durch fachliche Weiterbildung, sondern auch mit Hilfe von Neueinstellungen zu gewinnen. Was leichter gesagt als getan ist, wenn die finanziellen Mittel fehlen oder keiner der Bewerber für eine neu ausgeschriebene Stelle über die erforderlichen

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fachlichen Qualifikationen verfügt. Dies betrifft insbesondere Fachreferentenstellen für die technologischen Fachgebiete. Fächer wie Maschinenbau, Energie- und Umwelttechnik, Materialtechnologie, Geologie, Bauwesen und Marine Technologie werden seit vielen Jahren von Fachreferenten betreut, die keine entsprechende Ausbildung auf diesen Gebieten besitzen.

Trotzdem leisten sie gute Arbeit, was vor allem am Engagement, der Teamfähigkeit, ausgeprägten kommunikativen Kompetenzen sowie dem Willen zum Lernen liegt. Dieses Dilemma, d.h. die Frage, ob eine formelle Ausbildung wichtiger ist als exzellente persönliche Eigenschaften, wurde von dieser Arbeitsgruppe intensiv und kontrovers diskutiert. Die ideelle Situation ist natürlich, viele Kompetenzen in einer Person zu vereinen, aber in der Realität ist das sehr oft nicht realisierbar. Meine persönliche Meinung ist, dass es wichtiger ist, ausgezeichnete kommunikative, innovative und soziale Kompetenzen zu besitzen als ein tiefes Verständnis des Fachgebietes. Denn was nutzt es, in seinem Fachgebiet ein Experte zu sein, wenn man weder mit dem Forschungs- und Lehrpersonal noch mit den Bibliothekskollegen kommuniziert und zusammenarbeitet.

Wie schon erwähnt, beinhaltet der aktuelle Aktivitätsplan der NTNU UB die Entwicklung eines Weiterbildungsplans, der sicherstellen soll, dass das Bibliothekspersonal über die notwendigen Kompetenzen verfügt. Basierend auf den strategischen Zielen der Bibliothek und Erkenntnissen über derzeit vorhandene Kompetenzen befasste man sich zuerst mit der Benennung fehlender Kompetenzen. Kompetenzmängel bestehen auf folgenden Gebieten: IKT, Wissensorganisation (Publikationssysteme, Metadaten, Langzeitarchivierung), Bibliometrie, Projektmanagement, Marketing, Vermittlung von Informationskompetenz (Didaktik). Ebenso wurde die Notwendigkeit von mehr Forschungskompetenz (Bibliotheken forschen selbst) und einer stärkeren internationalen Perspektive erkannt. Darauf aufbauend wird derzeit ein konkreter Weiterbildungsplan erarbeitet, der aufzeigen soll, welche Kompetenzen durch Weiterbildung des Bibliothekspersonals erlangt werden können und für welche der benötigten Kompetenzen man Neueinstellungen vornehmen muss.

6. Schlussfolgerungen und Zusammenfassung

Die Sammlung, Bearbeitung, Archivierung und Bereitstellung von Dokumenten sowie die damit verbundene aktive Vermittlung von Wissen waren schon immer Kernaufgaben einer wissenschaftlichen Bibliothek. Sich ändernde Forschungs-, Publikations- und Lehrprozesse und die stetige Entwicklung neuer Technologien erfordern jedoch die Hinterfragung vorhandener Dienstleistungen. Bibliotheken müssen sich dabei radikal an den Bedürfnissen, Interessen und Arbeitsweisen ihrer Nutzer orientieren. Neue Rahmenbedingungen verlangen neue Dienstleistungen, und um diese in der entsprechenden Qualität erbringen zu können, sind neue Qualifikationen und Kompetenzen des Bibliothekspersonals erforderlich.

Ein Großteil des Personals trägt schon seit Jahrzehnten engagiert und kreativ dazu bei, Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten, die den Anforderungen der Nutzer gerecht werden. Trotz umfangreicher Versuche ist es unserer Bibliothek allerdings (noch) nicht gelungen, dass Qualifikationen und Kompetenzen ihrer Mitarbeiter mit den Ansprüchen an die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Dienste Schritt halten. Um aber Forschung und Lehre weiterhin wirksam unterstützen zu können, braucht es neues Wissen und neue Kompetenzen.

Deshalb ist die Erstellung eines Plans zur Kompetenzentwicklung ein Schwerpunkt im aktuellen Aktivitätsplan der NTNU UB.

Die Arbeit mit dem Thema hat gezeigt, dass es auf vielen Gebieten an Kompetenzen mangelt, vor allem in Bezug auf IKT, Bibliometrie und Wissensorganisation. Gleichzeitig wurde offenbart, dass einige der Bibliotheksdienste schon auf einem qualitativ hohen Niveau angeboten werden.

Dazu gehören die Bereitstellung von bzw. der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und die

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Unterstützung von Publikationsprozessen. Die Bibliothek verwaltet u.a. das institutionelle Archiv (Repository) der NTNU und bietet den Service „NTNU Open Access Journals“ an, der Wissenschaftler unterstützt, die Open Access (OA)-Zeitschriften herausbringen oder bereits existierende Journals in OA-Zeitschriften umwandeln wollen. Außerdem ist es der Arbeit einiger Kollegen zu verdanken, dass die NTNU ihren Wissenschaftlern in diesem Jahr zum ersten Mal einen Publikationsfond bereitstellt, der OA-Veröffentlichungen über den goldenen Weg ermöglicht. Nicht zuletzt beteiligt sich die NTNU UB aktiv an der Verwaltung und Entwicklung des norwegischen Forschungsinformationssystems CRIStin (Current research information system in Norway), in dem alle Publikationen und Forschungsaktivitäten des Landes registriert werden (sollen). Die letztgenannten Dienstleistungen sind ein gutes Beispiel für die Verknüpfung von Inhaltsmanagement und neuen Technologien, und den daraus resultierenden Anforderungen sowohl an Methoden- als auch an Systemkenntnisse. Beide Kompetenzen sind notwendig, um hochwertige Dienstleistungen bereitstellen zu können. Auch die Bearbeitung und Archivierung von Dokumenten (Inhalt) in verschiedenen Formaten wird von den Kollegen auf hohem Niveau durchgeführt, allerdings gibt es noch Kompetenzdefizite bei der Behandlung von digitalem Inhalt.

Andere wichtige Dienstleistungen müssen jedoch noch entwickelt bzw. ausgebaut werden. Ich denke da vor allem an Forschungsdatenmanagement, Digitalisierungsprojekte, bibliometrische Analysen, und andere spezifische Dienste zur Unterstützung von Forschung und Lehre. Die dafür notwendigen Qualifikation und Kompetenzen müssen deshalb schnellstmöglich erworben werden, entweder durch Neueinstellungen oder durch gezielte Mitarbeiterfortbildung. Die NTNU UB hat zwar die Notwendigkeit von beispielsweise Forschungskompetenzen und herausragenden IKT-Kenntnissen erkannt, es mangelt aber bisher an angemessenen Maßnahmen zur Erreichung dieser Kompetenzen.

Bibliotheken versuchen also, sich einer Zukunft zu stellen, in der so gut wie alle früheren Fixpunkte verschwunden sind. Sowohl das Verhalten der Nutzer also auch Technologien ändern sich ständig. Inhalte haben sich geändert, und wie geforscht wird, hat sich ebenfalls geändert und tut es noch. (Law, 2009) Die Geschwindigkeit, mit der diese Änderungen stattfinden, stellt viele wissenschaftliche Bibliotheken vor große Probleme, vor allem in Bezug auf Kompetenzen ihres Personals. Denn wie soll man hochwertige Informationsdienste wie Digitalisierungsprojekte, Institutionelle Repositorien oder Internetauftritte entwickeln und anbieten, wenn sich die IKT- Kenntnisse der meisten Mitarbeiter auf einem niedrigen Niveau befinden? (Sennyey et al., 2009) Viele Möglichkeiten dürften sich dadurch ergeben, dass etwa die Hälfte der Bibliotheksangestellten in den nächsten Jahren pensioniert wird. Bibliotheken müssen sich dann noch mehr für die Anstellung von Nicht-Bibliothekaren öffnen. (Ross & Sennyey, 2008) Das alles erfordert ein starkes Management, klare Ziele und eine den neuen Bedingungen angepasste Organisationsstruktur.

Abschließen möchte ich mit den Worten, die Susanne Riedel, damals Vorsitzende des BIB (Berufsverband Information Bibliothek), 2008 in ihrer Eröffnungsansprache anlässlich des 98.

Deutschen Bibliothekartages in Mannheim aussprach: „Fortbildung kostet Zeit und Geld, keine Fortbildung kostet die Zukunft!“

Literaturverzeichnis

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Almuth Gastinger studierte Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik an der TH Ilmenau (heute TU). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin promovierte sie dort zum Dr.-Ing. auf dem Gebiet der Technischen Informatik. Im Anschluss daran folgte ein von der DFG gefördertes Postdoktorandenstudium an der NTNU. Seit 2000 arbeitet Almuth Gastinger als Fachreferentin für Informatik und Mathematik an der Sektion für Architektur, Naturwissenschaft und Technologie der Universitätsbibliothek der NTNU. Sie engagiert sich sowohl in der eigenen Bibliothek als auch national und international in verschiedenen Bereichen und Gremien. Sie ist Gleichstellungsbeauftragte der NTNU UB und der NTNU Verwaltung, Mitglied des Ständigen Ausschusses der Information Literacy Section der IFLA (Wiederwahl 2011), Mitglied/Unterstützer von IFLAs New Professionals Special Interest Group, aktiv in IFLAs National Organisations and International Relations Special Interest Group. Sie ist außerdem Norwegens Repräsentantin im Information Management Committee der NATO, Mitglied im Vorstand und Sekretärin des Verbands der Spezialbibliotheken in Trondheim (NFF/Trondheim), Arbeitnehmervertreterin der

„Norwegian Association of Researchers“ an der NTNU UB und im Internationalen Ausschuss des Norwegischen Bibliotheksverbandes.

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